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Full text of "Ueber einige exotische Saturniiden, insbesondere der Gattung Automeris. (Fortsetzung)"

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Nach Passieren einer weiteren” Häusergi uppe, 
der Zollstation Unduavi, wendet sich unser Weg, 
vom Tale abzweigend und sanft, ansteigend, gegen 
einen letzten, durchaus bewaldeten Höhenrücken, der 
berühmten, als Fangort für seltene Hochgebirgs- 
tagfalter oft genannten Cuesta von Cillutincara. Bei 
3500 m Seehöhe erreicht der Paßweg über diesen 
Höhenrücken seine höchste Erhebung, um dann in 
vielfach gewundenen Serpentinen, immer umgeben 
von prächtigem, von keinerlei menschlichen Anwesen¬ 
heit . beeinflußten Hochgebirgsmwald und durch¬ 
schnitten von zahlreichen Schluchten mit eiskalten 
Gießbächen und hochalpiner Flora, der Ostseite, den 
heißen Yungastälern Boliviens, zuzustreben. 

Ich sowohl als besonders mein Bruder Eduard, 
haben dieses herrliche Fanggebiet infolge des gänz¬ 
lichen Fehlens irgendeines Stützpunktes in mensch¬ 
licher Nähe nur verhältnismäßig kurze Zeit be¬ 
sammein können. 

Auf der höchsten Paßstelle, einem mit hohem 
Grase und niedrigem Krüppelstrauchwerk bestan¬ 
denem, von eiskalten Winden umwehten Bergrücken 
tummelt sich im niedrigen, reißenden Fluge eine 
schneeweise, Pieriden nachahmende Lymanopoda (lac- 
tea). Schon der nächste Schritt, wenige Meter ab¬ 
wärts auf der Ostseite des Gipfels, bringt uns in dem 
niedrigen Strauchwerke eine neue Ueberraschung: 
die große, kohlschwarze und schneeweiß gefleckte 
Drucinci vencratci 1 ). Bald werden die Hochgebirgs- 
satyriden häufiger und zahlreicher und oft fliegen 
bis ein Dutzend der meist großen, düsteren Tiere 
beim Passieren feuchter Wegstellen auf, um sich 
auf die umliegenden Sträucher in abwartender Stel¬ 
lung niederzusetzen und nach kurzer Zeit, eine nach 
der anderen, zu der alten Labestelle zurückzukehren. 

Die höheren Stellen des Passes sind von den 
kostbareren und selteneren Arten belebt, die meist 
nicht unter 2800 m herabgehen. Dazu gehört vor 
allem die bizarr gezackte, oberseits ziemlich ein¬ 
farbige, aber rückseits herrlich silbergeschmückte 
Polymastus (Daedalma) enipeas, von der ich wohl 
ein Dutzend aber kein einziges $ bekam. Die 
geschwänzte Gattung der Corades entsendet bis in 
diese Höhen nur die neuerdings von der Gattung ab¬ 
gezweigte, höchst eigentümliche Panarche ccillipolis 2 ). 

Die artenreiche Gattung Pedaliodes ist ebenfalls 
in einigen Vertretern in dieser Höhe zu treffen. 
Nebst einigen Formen der Pammenes - und Panyasis- 
Gruppe fing ich hier mehrere Stücke der Unterseite 
mit orangegelbem Schrägstrich geschmückten Peda¬ 
liodes pactyes, und mein Bruder erbeutete hier ein 
Exemplar der hochseltenen und apart gezeichne¬ 
ten Ped. antonia 3 ), das einzige Exemplar meiner 
Sammlung. Nebst mehreren der rückseits silber¬ 
gesell mückten von Steroma andensis 4 ) besitze ich 

von hier auch das einzige, auf der Oberseite braun- 
gefleckte $ dieser Art. (Fortsetzung folgt.) 

1) Abgebildet: Gross-Schmetterl. d. Erde, Bd. 5, 
Taf. 5S b. 

2) Abbildung vgl. Gross-Schmetterl. d. Erde Bd. 5, 
Taf, 60 d. 

3) Abbildung Taf. 55. a. 

4) Abbildung O. c. Taf. 51 g. D. Red. 


Uefoer einige exotische Saturniideii, 
insbesondere der Gattung Antomeris. 

Von JEmbriJc Strand , Berlin. 

(Fortsetzung) 

Automeris cecrops Bsd. Ein g von Venezuela, 
et-was gebleicht und nicht ganz tadellos erhalten, 
daher vielleicht heller als es in frischem Zustande 
sein würde. Es weicht jedoch von dem Bild der 
A. cccrops Bsd. in Biologia Centrali-Americana (t. 16, 
Fig. 7) dadurch ab, daß die Postmedianbinde genau in 
die Flügelspitze ausmündet, die Gelbfärbung ist mehr 
intensiv, das Auge zeigt keine scharf markierte weiße 
Pupille, sondern im Inneren einen grauen Hof mit 
anfgestreuter weißer Beschuppung, die allerdings im 
einen Flügel in der Mitte des Hofs sich zu einem 
kleinen Querstrich verdichtet; die schwarze Binde 
der Hinterflügel ist ein wenig flacher gebogen, ein 
weißer Strich an der Vorderflügelbasis ist bei mei¬ 
nem Exemplar nicht erkennbar. — Flügelspannung 
70 mm, Vorderflügellänge 39, Körperlänge 27 mm. 
Die BoiSDUVALsche Beschreibung paßt z. T. besser 
als genanntes Bild, so gibt sie über die Postmedian¬ 
binde an: „se terminant ä la pointe apicale“. Wenn 
eeerops bisw r eilen als Synonym von incarnata Wik. 
betrachtet wird, so muß ich das für unzutreffend 
halten, u. a. w’eil bei invarnata die Postmedianbinde 
gerade sein soll (nach Conte) und nicht in die Flü¬ 
gelspitze auslaufen. Uebrigens vergleicht Walker 
incarnata mit ineisa ; danach wäre unsere Art schon 
durch den Flügelschnitt leicht zu unterscheiden. Eine 
weitere ähnliche Art w'äre die nordamerikanische 
A.pamina Ncitw. (v. aurosea Nettm.), bei der jedoch 
die Postmedianbinde „irregulär“ sein soll usw. 

Automeris arm in irene Strand n. $p. Ein 
£ von Riobamba, Ecuador. Habe die Art als ar- 
minia Cr. bestimmt vorgefunden, ob mit Recht bleibt 
sehr fraglich. In Cramer-Stoll ist bekanntermaßen 
nur das $ dargestellt; auchBoiSDUVAL kannte das zuge¬ 
hörige nicht, vermutete aber, daß metea Cr. dazu 
gehöre. Eher wäre mir die Identität mit irene Cr. 
(Fig. 249 BC) plausibel, und w enn Conte scapularis 
Bsd., metea TV7Ä\, luteata TT7Z\ und quadridentata 
Khy . als Synonyma von treue behandelt, so würde 
er vielleicht auch die vorliegende Form dazu stellen. 
— Die Flügelspannung beträgt 65, die Vorderflügel¬ 
länge 33, die Körperlänge 27 mm. Der Art sehr 
charakteristisch ist die scharf markierte Antemedian- 
binde, die fast so scharf markiert wie die Postme¬ 
dianbinde hervortritt, und fast ganz gerade (ganz 
leicht saumwärts konvex gebogen) ist, auf den Dorsal¬ 
rand senkrecht gerichtet, nur nahe dem Costalrande 
eine, wurzelwärts offene Knickung bildend. Diese 
Binde ist nun auf Cramers Bild ähnlich, nämlich 
gerade und scharf markiert, jedoch mehr schräg und 
den Vorderrand nicht erreichend. Nach der Deutung 
der späteren Autoren wäre jedoch irene Cr. eine Art 
mit undeutlicher, weiß punktierter und unregelmä¬ 
ßig gekrümmter und geknickter Antemedianbinde; da¬ 
nach wäre also Cramers Bild ungenau. Der Disco¬ 
zellularfleck ähnelt Cramers Figur, die Proximalgrenz¬ 
linie ist jedoch mitten wurzelwärts konvex gebogen 
und die drei Zähne der distalen sind stumpfer. Die 




braune Ouerbinclc außerhalb dieses Flecks, die Gra¬ 
mer, durch einen bedeutenden Zwischenraum von dem 
Flecke trennt, berührt bei meiner Art den hinteren 
der drei Zähne, der auch die Postmedianbinde fast 
berührt. Pie Flügelbasis ist durch eine helle Linie be¬ 
zeichnet. Der Yorderllügelsaum ist bei meiner Art 
steiler und infolgedessen tritt der Analwinkel stärker 
hervor. Die helle Medianpartie des Auges verhält 
sieh wie bei porns , entsendet also 4 Staehelfortsiitze, 
während Gramer deren nur 2 abbildet, was auch 
mit einer vorliegenden Form, die ich für irtuc halte, 
übereinstimmt. Daß Gramer das Auge mit einer ab¬ 
gerundet dreieckigen weißen Pupille ausstattet, stimmt 
nun aber mit keiner der beiden Formen, die beide 
eine feine, halbmondförmig gekrümmte (^uerlinie als 
weiße Zeichnung im Auge tragen. Die blauschwarze 
(nicht schwarze) Zickzackquerlinie der Ilinterfiiigcl ist 
vom Auge kaum so weit wie vom Außenrande der folgen¬ 
den braunen Binde entfernt, während es bei irene 
(sowohl nach meinem Material wie nach Cr am ers 
Figur) umgekehrt ist. Die Unterseite beider Flügel 
ist ein wenig dunkler, rötlich und bräunlich bestäubt, 
als an Cuamers Figur; der Discozellularlleck der 
Vorderfiügel hat nur Andeutung einer weißen Pupille; 
eine distale Querbinde oder Fleckenreihe im Hinter¬ 
flügel ist nur schwach angedeutet, 

(Schluß folgt.) 

Hygiene und Entomologie. 

Von J. Scitz, Darmstadt. 

(Schluß.) 

Wann verordnet der Arzt eine Badekur und waium 
verordnet er sie ? 

Wenn ich in früherer Zeit meinen Patienten Salz¬ 
schlirf verordnet habe — und bei Auslandscuropäern 
ist das sehr oft nötig —, so hatte ich natürlich eine 
chemische bzw. radioaktive Einwirkung auf den 
gichtigen Körper im Sinne. Diese Verordnungen waren 
nach dem vorliegenden Befund zumeist direkt indiziert, 
d. h. geboten. 

Aber bei zahlreichen andern Verordnungen be¬ 
zweckt der Arzt etwas anderes, und cs sind oft psycho¬ 
logische Gründe, die ihn dabei bewegen. Wer seine 
Ferien, seinen Urlaub, eine Geschäftspause zwischen 
zwei Stellungen oder dergleichen antritt, will sieh zu¬ 
nächst .,ausruhen**. Da schaut sieh ein denkender und 
vor allem ein vorbeugender Arzt, der nicht nur quack¬ 
salbert, seinen Mann an und bemißt danach seine 
Maßnahmen. Billige Tage Ruhe sind bei nicht gar 
zu strapaziösen Berufsarten für lange Zeit zur Er¬ 
holung genügend, und für den Arzt, dem ein Patient 
mit der Ruhebedürftigkeit einer Woche erzählt, er 
habe jetzt 2 Monate Urlaub, erwächst die Pflicht, 
7 Wochen dieser ..Ausspannung” u n s o h ä d 1 i e h 
z u m a o h e n. Es ist oft unendlich schwer, Leute 
von nur allgemeinen Interessen so zu beschäftigen, 
daß ihre langen Ferien ihnen nicht schaden, und häufig 
ist eine Badekur das einzige Mittel, sie um ß Uhr früh 
aus dem Bett und ins Freie zu bringen, und darum 
sehen wir die Verordnung der harmlosesten Brunnen 
für früh morgens angesetzt, auch da, wo sie mit dem 


gleichen Erfolg um fl und um 11 Uhr geims.-en werden 
könnten. 

Der Entomologe, der .seine Ferien zur »Sammel¬ 
tätigkeit verwendet, braueht sieh nicht ans dem Bett 
lierauskoinniandiereii zu lassen. Ihm braucht kein 
Arzt vorziisehwüren, daß <las kui wasser. das lim 0 llir 
früh ein Lebenselixier darstellt, um 7 Uhr seine Wir¬ 
kung verliere und um S Uhr eher schädlich wirke. Er 
weiß ganz genau, wie herrlich der Sommeiwald in der 
Morgenfrühe ist, w'io balsamisch die Luft, wie tau¬ 
frisch der Morgenwind und w ie wohltuend die Strahlen 
der Morgeiisonne sind, wenn sie vergolden, ohne zu 
stechen. Er kann es nicht ahwartem, bis es an die 
Arbeit geht und schwebt eher in Gefahr, sieh eine 
wirklich nötige Rast vor Uebercifer zu versagen, als 
durch Trägheit sieh zu verwöhnen und damit zu 
schwächen. 

Aber in der cntomologisehen Tätigkeit des Exkur¬ 
sionsteilnehmers liegt noch ein andres, viel wichtigeres 
Gesundheitsmittel, das uns die Badekur ersetzen kann. 

Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit sind in 
erster Linie abhängig vom Inbalte unserer Körper¬ 
zellen. Ist dieser lange nicht erneuert, so wird er alt 
und verliert an Güte und Brauchbarkeit. Ein solcher 
Körper ist stets anfällig für Krankheiten verschieden- 
i stcr Art; aber auch ohne daß solche eintretcii empfin¬ 
den solche Menschen oft Unbehagen, Arbeitsunlust 
lind häufige Verstimmung. Der Arzt denkt dann an 
eine Ncufiillting der Zellen. Ihr Inhalt besteht zum 
Teil aus Wasser, in dem die „Lebensstoffe a — wie der 
Laie sagt, d. h. die wirksamen Ingredienzien — ent¬ 
halten sind. Entziehe ich gewaltsam den Zellen dieses 
Wasser, so bleibt nicht aus, daß auch große Mengen 
I dieser Verbrauohsstoffo abwandern lind füllt sich die 
Zelle später neu, so werden auch die lebenswichtigen 
Agcntien mit erneuert. Zu diesem Ziel führen 2 V ege. 

Alle Wandungen im menschlichen Körper, seien 
es Zell- oder Darmvandungen oder die irgendwelcher 
andern Organe, haben die den „tierischen Membranen” 
zukommende Eigenschaft der Diosmosc; sie vermitteln 
! den Durchtritt von Flüssigkeiten, die durch sie ge¬ 
trennt werden, so lange, bis deren physikalisches 
Gleichgewicht hergestellt ist. Befindet sieh auf der 
einen ^eite einer solchen Membran z. B. Alkohol oder 
Salzlösung, auf der andern Wasser, so tritt letzteres 
durch die Wandmigskanälc der Trennungsmembran 
zur dickeren Lösung hinüber. Fülle ich meinen Darm 
daher mit — sagen wir — Karlsbader Wasser, so wird 
nicht nur dieses, ohne in den Körper überzutreten. 
I aus dem Darm entleert, sondern die Zellsäfte des 
Körpers —um mich gemeinverständlich auszudrüeken 
— werden vom Danniniialt angesogen und die Zellen 
werden leer, die inneren Organe zunächst trocken 
(Gewichtsabnahme)* Füllen sie sich dann durch Xah- 
ningsaufnahme von neuem, so hat damit eine ge¬ 
wisse* Regeneration stattgefunden, und wenn der 
Badegast e inige Woe*hen nach eler Kur behauptet, er 
fühle sieh wie neugeborem, se> spricht er nicht nur leert* 
Worte, sondern ne nnt den stattgehabtem Prozeß beim 
rechten Kamen nur daß nicht de*r Körpe r als Ganzes, 
sonelern se*ine kleinsten Teile verjüngt sinel. 

Wird auf diese Weise eler verbrauchte Zellinhalt 
i durch den Darm nach außen befördert, so verfolgt